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Pressemitteilung

Werkstattbeschäftigte aus dem Andreaswerk schließt Ausbildung zur Fachlageristin ab

Auf neuen Wegen

Diepholz/Vechta – Die Ausbildung zur Fachlageristin ist geschafft, der Arbeitsvertrag in der Tasche: Es läuft rund für Eike Kristin Grave. Dabei hatte es lange danach ausgesehen, als sollte ihr beruflicher Traum unerfüllt bleiben. 2016 musste sie ihre Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik aufgrund einer plötzlich auftretenden Epilepsie abbrechen. Dem ersten Schock folgte die Suche nach einem guten Umgang mit der Erkrankung und, etwas mehr als ein Jahr später, der Eintritt in den Berufsbildungsbereich des Andreaswerks. Doch die nicht abgeschlossene Ausbildung ließ der heute 26-Jährigen keine Ruhe. „Es fühlte sich für mich nicht richtig an, das nicht zu Ende zu bringen. Ich wollte unbedingt eine fertige Berufsausbildung haben“, blickt sie zurück.

„Der Weg aus der Werkstatt raus auf den allgemeinen Arbeitsmarkt ist ein großer Schritt für unsere Beschäftigten. Eine Ausbildung zu beginnen beziehungsweise fortzusetzen und auch abzuschließen, ist nicht undenkbar, aber es gehört schon einiges dazu“, unterstreicht in diesem Zusammenhang Christian Tschapke vom Fachdienst Qualifizierung und Vermittlung des Andreaswerks. Die erhoffte Chance bot sich der Werkstattbeschäftigten 2019 bei einem mehrmonatigen Praktikum im Materiallager der Bundeswehr in Diepholz. Nachdem sie zuvor bereits erfolgreich einen Lehrgang zur Regalinspekteurin absolviert hatte, kamen der Ausbildungsbeauftragte des Materiallagers, Jens-Uwe von Kroge, sowie Christian Tschapke gemeinsam zu der Überzeugung: „Sie schafft das!“

„Diesen Schritt über eine Ausbildung auf den ersten Arbeitsmarkt waren wir bis dahin noch nicht gegangen. Das war schon etwas Außergewöhnliches. Unser Dank gilt auch der Deutschen Rentenversicherung, die die Begleitung durch das Andreaswerk über die ambulante Nachsorge ermöglicht hat“, macht Christian Tschapke deutlich. Und gibt schmunzelnd zu: „Ich hatte in dieser Zeit durchaus die eine oder andere schlaflose Nacht.“ Denn: Eike Kristin Grave musste für die Ausbildung ihre Erwerbsunfähigkeitsrente aufgeben. Ebenso wie die damit verbundene Garantie, im Falle eines Scheiterns ohne Weiteres in die Werkstatt zurückkehren zu können. „Die Ausbildung zu beobachten, zu reflektieren und Ideen zum Gelingen einzubringen, gehörte ebenso zu meinen Aufgaben wie die Frage im Blick zu behalten, wie wir weitermachen können, wenn es nicht funktioniert“, erklärt der Fachdienstmitarbeiter.

Trotz der Risiken hielt Eike Kristin Grave an ihrem großen Ziel fest. Auch als dieses Ziel wegen eines notwendigen Ausbildungswechsels – von der Fachkraft für Lagerlogistik zur Fachlageristin – und eines nicht bestandenen Prüfungsteils in weitere Ferne rückte. „Die theoretischen Lerninhalte waren mein Hauptproblem. Es ist mir oft schwergefallen, sich das alles zu merken. Deshalb habe ich mir die wichtigsten Punkte immer wieder aufgeschrieben und abends noch einmal durchgelesen“, erzählt die Fachlageristin, die am liebsten „am PC und direkt am Regal“ arbeitet.

Unterstützung bekam sie von der Familie und Freunden, den übrigen Auszubildenden, Kolleginnen und Kollegen im Lager, Christian Tschapke und nicht zuletzt Jens-Uwe von Kroge. Dieser bot ihr Freiräume zum Lernen, half bei der Suche nach einer Unterkunft und dem Wechsel der Ausbildung. „Sie hat den Schritt aus dem Andreaswerk raus gewagt und die Ausbildung eigenständig durchgezogen. Davor kann man nur den Hut ziehen“, zeigt sich der Ausbildungsbeauftragte auch heute noch von dem Ehrgeiz und der Zielstrebigkeit seiner ehemaligen Auszubildenden beeindruckt. Umso wichtiger ist es ihm klarzustellen: „Ihr wurde nichts geschenkt. Weder die Ausbildung und die Ende 2021 bestandene Prüfung noch die anschließende Festanstellung. Wäre keine Stelle frei gewesen und hätten sich nicht alle Verantwortlichen für sie ausgesprochen, würden wir jetzt nicht hier zusammensitzen.“

Wie Jens-Uwe von Kroge zieht auch Christian Tschapke ein positives Fazit aus den vergangenen Monaten, betont aber zugleich: „Trotz der günstigen Voraussetzungen, die Eike Kristin Grave mitgebracht hat, war es kein Selbstläufer.“ Entsprechend dankbar war und ist er für das Entgegenkommen von Hauptmann Gerd Petersen, Leiter des Materiallagers Diepholz, der den Ausbilder bei der Ausbildung von Eike Kristin Grave in der Bundeswehr mit unterstützte. Und dafür, dass er den Prozess mit dem Fachdienst Qualifizierung und Vermittlung eng begleiten konnte. Er hofft nun, dass die Erfolgsgeschichte auch anderen Beschäftigten Mut macht. „Wir vom Fachdienst schauen dann gerne gemeinsam mit dem oder der Beschäftigten, ob und wie der Übergang auf den ersten Arbeitsmarkt realisiert werden kann“, erläutert der Ansprechpartner.

Eike Kristin Grave selbst hat inzwischen bereits ein neues Ziel im Blick: Sie möchte gerne ihren Führerschein machen. Dass sie auch das schaffen wird – daran besteht für Jens-Uwe von Kroge und Christian Tschapke kein Zweifel.

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